Samstag, 20. Juli 2013

Schock am Lago Maggiore. Das Ende?

Vorgestern bin ich nach der Alpenüberquerung am Lago Maggiore angekommen um mich hier von den Strapazen zu erholen. Es ist wunderschön und ich genieße den Süden. Aber gestern dann der Schock. Seit Freiburg schmerzt meine linke Achillessehne. Und sie wird nicht besser. Ich habe nichts mehr davon erzählt weil ich wusste dass meine Mutter ansonsten hinterher kommt und mich vom weiterfahren abhalten würde ;). Irgendwie fühlt sie sich an als würde sie bei Bewegung innen drin "schaben". Gestern kam ich dann, nach dem Schreiben des letzten Blogs, auf die Idee mal nach Achillessehne + Schaben zu googlen. Schnell stellte ich fest, dass es eine Stufe einer Achillessehnen-Entzündung ist. Ohne Behandlung würde sie als nächstes deutlich dicker werden und irgendwann infolge der Reibung reissen. Und sobald eine Sehnen Entzündung chronisch wird ist sie nur sehr schwer wieder zu heilen. Ich war so unglaublich niedergeschlagen. Sollte das das Ende meine Reise sein? Soviel geschafft und doch nicht am Ziel? Jetzt mit dem Zug den Rest der Strecke zurückzulegen käme für mich dem Aufgeben gleich. Das ist mein Stolz und mein Ehrgeiz, der sich über die Vernunft hinwegsetzt. Was allerdings nicht intelligent ist, wenn sie reißt habe ich mein Leben lang eine chronische Verletzung. Ausserdem ist auf Elba mein Fahrrad mein Fortbewegungsmittel. Nachdem der erste Schock gewichen war und das rationale Denken wieder einsetzte, habe ich mich mit einigen Personen darüber unterhalten und bin in die Apotheke gefahren. Dem Apotheker die Situation erklärt, gab er mir Diclophenaksalbe welche ich nebst Kühlen auftrug. Dann folgte das physikalische Denken. Mache ich den sattel tiefer, wird das Dehnen und Stauchen der Sehne abgeschwächt; ein zusätzliches verschieben des Druckpunkts am Fuß auf die Pedale nach hinten entlastet sie ebenso. Ideal wäre natürlich nur mit der Ferse zu treten, wodurch die Belastung vollkommen über die Knochen übertragen werden würde. Aber da das ja nicht geht, habe ich die cleets (die clickverbindung an den Schuhen) weit möglichst nach hinten geschoben. Abends bin ich so in den Ort essen gefahren und siehe da, es fühlte sich wesentlich ergonomischer an. Wahrscheinlich resultierte die Verletzung aus einer viel zu hohen Sitzposition, die auch noch Kraft verschenkte. Heute morgen ging es der Sehne schon viel besser, ein schaben konnte ich nicht mehr feststellen. Wie geplant habe ich meine Sachen gepackt um nach Baveno zu fahren, 33 flache Kilometer am See entlang. Also keine Etappe sondern eher ein weiterer Ruhetag. Ganz gemächlich ging ich es an, war trotzdem nach 1 1/2 Stunden angekommen und doppelt so braun geworden wie auf der ganzen restlichen Tour. Heute brennt die Sonne so brutal von Himmel, dass ich mir fast einen Sonnenbrand auf dem Rücken geholt habe, obschon ich in Deutschland gänzlich ohne Tshirt gefahren bin. Eben habe ich wieder mein Zelt aufgebaut, was mittlerweile eine eingeübte Routine ist. Auf dem Campingplatz gibt es endlich Internet nach deutschen Verhältnissen. Meiner Sehne habe ich einen Salbenverband verpasst, und versuche so oft es geht eis zum kühlen zu bekommen. Immer wenn ich das versuche auf Italienisch zu sagen sind alle sehr hilfsbereit ;) Mein Plan für den Rest der Tour: Vielleicht werde ich morgen weiterfahren, vielleicht werde ich auch noch einen weiteren Tag ruhen. Die nächste Etappe geht nach Alessandria, 120 flache Kilometer. Wenn es mir dann gut geht, konmen 80 km nach Genua, was die Apennin Überquerung beibhaltet. Da gehts nochmal auf 700 Höhenmeter rauf. Wenn ich merke dass das nicht geht, werde ich mit dem Zug direkt nach La Spezia fahren. Denn die folgende Etappe Genua - La Spezia enthält dauerndes auf und ab. Danach sind die letzten zwei Etappen nur noch flach an der toskanischen Küste entlang. Ich gehe davon aus, dass das noch klappt. Aber jetzt, nachdem ich wieder guter Dinge und abgesehn von Sehne sehr glücklich bin, genieße ich einfach alles hier. Ich werde noch ein Paar schöne Bilder anhängen. Achja: mein Tacho sagt jetzt seit dem Losfahren in Köln 963 km und 51:38 h. Gerade habe ich mal alles was auf die Schnelle ging vom Fahrrad abmontiert um den Ort hochzufahren und ein paar Momente abseits des "Mainstreams" festzuhalten. Die Fotos sind toll geworden und das Fahrrad ging ab wie eine Rakete. Wenn man sich an die Trägheit gewöhnt hat "schlackert" es immer hin und her, weil es viel schneller reagiert. Jetzt geh ich erstmal eine gute Fischplatte essen, bei immernoch 30 Grad. Erkältung also kein Thema mehr. :) Einer muss noch: Wer hätte gedacht, dass mir meine Achillessehne noch zu meiner Achillesferse wird...Tata tata..:)

Freitag, 19. Juli 2013

Andermatt - Cannobio: Luca Johnen: Mein Kampf


Heute zweigeteilt. Bis Gotthard: Strecke: 12,3 km, Fahrtzeit: 1:30 h Nach Gotthard: Strecke: 118 km, Fahrtzeit 5 h Buon Giorno Ragazze! Ich bin in Italien. Das reicht. (Ich stelle grad fest dass es in diesem Internet-Cafe kein deutsches "Sz" gibt. Also verzeiht mir dass ich es mit doppel s umschreiben muss). Boah, ich Weiss garnicht wo ich anfangen soll. Ich werd beim morgen beginnen. Ich konnte leider nur bis 6 Uhr schlafen, da es "Gesaess" (oh mann es gibt auch keine Umlaute, das wird ja schoen) -kalt wurde und ich nur einen duennen Sommerschlafsack dabei hatte. Noch etwas zur Rechtschreibung: Wenn ein Wort mit "y" oder "z" keinen Sinn macht, versucht den jeweils anderen Buchstaben einzusetzen, QWERTY-Tastatur...:( Naja, selbst mit Klamotten war es wesentlich zu kalt um zu schlafen. Also bin ich um 7 UHr aufgestanden, habe gemuetlich ein Fruehstueck fuer 8 Euro zu mir genommen, sprich Kaffee zwei Brote und ein Croissant...Die morgentliche Stimmung seht ihr auf den ersten zwei Bildern. Um ca. halb 10 gings los. Und wie. Erstmal wie am Vortag. Steil bergauf. Anstrengend. Ok, hab ich mit gerechnet. Aber dann...steiler und steiler. Ich wusste, ich muss es von 1450 m.U.NN. auf 2150 schaffen. Und es wurde immer brutaler. Die erste Schweiz-Etappe war die bis dato haerteste Anstrengung die ich erlebt hatte. Dann war es die zweite. Und heute war es definitiv die dritte. DAS HAB ICH NOCH NIE ERLEBT. Raufquaelen waere laepsch ausgedrueckt. Die letzten 200 Hoehenmeter habe ich 10 Meter geschoben, pausiert, 10 Meter geschoben usw. Ich kann und will euch das nicht naeher bringen, denn das wuerde euch dann genau so wehtun. Nach einer gefuehlten Ewigkeit und mentalen Transformation erreichte ich den Pass. Paralysiert, verwirrt und desorientiert. Mein Gehirn hatte glaub ich den Beinen alles an Versorgung ueberlassen. In meinem klatschnassen Fahrradshirt wurden die 12 Grad mit Hilfe des Windes zum Gefrierpunkt. Warum nur musste ich meinen Fleecepulli bei Leo lassen??? Ich habe mir alles angezogen was ich hatte und mich in mein Microfaserhandtuch eingewickelt. Ich konnte noch nicht runterfahren, dazu fehlte mir die Konzentration. Ich konnte es nicht lassen ein Bier mit hoch zu schleppen und kuehlte es mit Schnee, holte mir eine Bratwurst und ass und trank. Ich installierte den bald von mir patentierten Windfang aus meinem Handtuch, Kabelbindern und Gewebeband, der meine Bremsen bei der Abfahrt entlasten sollte. Dann fing es natuerlich noch an zu regnen. Es gibt zwei Strecken fuer die Abfahrt: Die neue, geteerte Strasse, auf der man von den Autofahren umgebracht wird, und die alte Kopfsteinpflasterpiste. Und wer schonmal auf bei Regen auf Kopfsteinpflaster gefahren ist, Weiss wie scheisse das ist. Nach ca einer Stunde machte ich mich also auf den Weg die 1000 Hoehenmeter zum ersten Ort, Airolo runterzufahren. Gaaaanz vorsichtig, bevor ich Sterbe wollte ich mein Jubilaeum vom 20ten Mal Italien feiern. Spaeter wurde es dann doch eine geteerte Strasse, und ich konnte schneller fahren. Ab Airolo troepfelte es hin und wieder, richtigen Regen habe ich gluecklicherweise nicht mehr abbekommen, jedoch zeigten die teilweise grossen Pfuetzen, dass es wohl stark im Tessin geregnet haben musste. Es ging immer weiter bergab, immer falcher werdend. Doch lag ich mit der Vermutung, einen grossen Teil mit rollen lassen zuruecklegen zu koennen, falsch. Ein starker Suedwind wollte mich davon abhalten heute noch die italienische Grenze zu erreichen. LECK MICH!!! Ich hoffte auf die Spreizung des Tals und die damit verbundene geringere Windstaerke. Und so kam es dann auch. Das die Sprache nun schon italienisch war, war mir nicht genug. In JEDEM Fall wollte ich es ueber die Grenze schaffen. Irgendwann nach ca 40 km schaute ich nochmal nach und stellte fest dass noch 80 km vor mir lagen. Und jede kleinste Steigung, sei esueber eine Autobahnbruecke, war fuer mich ein fast unueberwindbares Hindernis. Ich sagte mir, teil es dir ein. Erstmal 40 km nach Bellinzona. Dann sag dir, so, noch 20 km nach Locarno am Lago Maggiore. Und ey, dann liegt die Grenze nurnoch 15 km vor dir. Packste dann auch noch. Und dann noch 5 km nach Cannobio, wo ich schonmal ein paar Tage verbacht habe. Und das war eine Taktik die sich als gut erwies. Vor Bellinzona das erste Mal in eine Bar. "Posso avere un cafe?" "Cafe Lungo o Espresso?" Was fuer ne Frage... "Naturalmente un Espresso! Sono a Italia" Da viel mir auf, bin ich ja noch garnicht. Also ne berechtigte Frage. Also kuerz ich das Mal ab. Bellinzona. Die Natur wurde immer suedlaendischer. Und auch die Sonne wurde es. Zwischen den Wolken lugte sie hervor und wenn sie das tat, brannte sie und heizte die Luft auf Knapp 30 Grad auf. Palmen, bluehnder Oleander, Orchideen. Fasst unvorstellbar eben noch in einer Hoehenlage ueber der Nadelbaumgrenze und im Schnee gewesen zu sein. Locarno. Am Lago angekommen. Eine wunderschoene Uferpromenade begruesste mich. Und jetzt hab ichs bald geschafft. Nach Locarno nur noch am See entlang, unmittelbar rechts der Strasse steile Abhaenge. Obwohl ich auch diesen Grenzuebergang schon oefter ueberquert hatte, glaubte ich ihn nach jeder Kurve zu erreichen, doch er kam und kam nicht. Meine Beine braaaaanten. Die konnten einfach nicht mehr, mein Koerper rebellierte. Doch irgendwann erreichte ich sie. Und Cannobio. Beim Zelt aufbauen zeigte mir mein Koerper den Mittelfinger in dem Ich fast bewusstlos wurde. Doch ich habs noch geschafft. Die Belastung der letzten drei Tage waren enorm. Auf neudeutsch episch. Ich habe die Schweiz in drei Tagen geschafft, das zu realisieren bin ich noch nicht wirklich in der Lage. Einen positiven Effekt hatte die Anstrengung: Ich habe jede Fettzelle meines Koerpers verbrannt. Nix mehr uebrig geblieben. :D Am Abend noch schnell in dem schoenen italienischen Dorf eine Pizza essen gegangen. Vergleich: Schweiz: Pizza und Radler: 21 €. Italien: Bruschetta, Pizza, Bier, Espresso, Ramazotti: 21 €. Hier zu sein: Unbezahlbar. Nun bin ich einen Tag hier um mich auszuruhen. Noch heute bekomme ich beim aufstehen leichte Schwindelattacke, aber es wird besser. Ich bin am chillen, konnte mal meine Klamotten waschen und ein bisschen relaxen. Gerade sitze ich seit 1 1/2 Stunden im Internetcafe um euch zu schreiben, ich konnte das unmoeglich auf dem Smartphone machen, nicht bei der Etappe. Und nicht bei dem scheusslichen WLAN auf dem Campingplatz :) Morgen werde ich 40 km gemuetlich nach Baveno radeln, auch am Lago gelegen, der Ort ist noch viel schoener. 40 km flach sind keine Etappe sondern ein Tag Pause. Dann werde ich am Sonntag weiter nach Alessandira fahren, ich glaube ca 125 km fast flach, sollte dann ja ganz locker drin sein. Also ihr fleissigen Leser, ich danke euch fuer euer interesse. Ich habe leider keine Zeit mehr nach Rechtschreibfehlern zu sehen, hba jetzt schon 6 € fuer den Blog gezahlt. Shit. Die Bilder kann ich auch nicht groesser machen. Sorry.
 















 

Mittwoch, 17. Juli 2013

Sempach - Andermatt: Das Ultimative

Strecke: 62 km Fahrtzeit: 4:15 h Höhenmeter: ca 1100 rauf.

Guten Abend aus den verschneiten Alpen! Ich weiß nicht mehr mit welchen Begriffen ich euch die Belastung beschreiben soll, die mir die Schweiz abverlangt. Mir fehlen die Worte dazu. Genau jetzt kommt das Erwartete "an die Grenzen kommen" bzw. Das Überschreiten dieser. Schon heute morgen habe ich mich ausgelaucht und schlapp gefühlt, meine Beine waren schwer und zeigten mir die Belastung von gestern. Bei klarem Himmel eingeschlafen und das Handtuch zum trocknen über dem Zelt gelegt hätte ich nie erwartet am Morgen tatsächlich mit Regen geweckt zu werden. Die Alpen sind unberechnbar. Nachdem ich gefrühstückt habe (Erstaunlicherweise nur 9 Euro für Kaffee, Croissant und Brot...) hatte es allerdings aufgehört und ich packte meine Sachen zusammen. Das Gewicht des Microfaser-Handtuchs war von 200 Gramm auf 2 Kg angewachsen und auch das Zelt konnte nicht vollkommen trocknen. Allerdings nicht schlimm, da ichs heut Abend wieder aufbauen werde. Schlimmer ist da eher das zusatzliche Regenwasser das ich mit hochschleppen darf. Bei bewölktem Himmel fuhr ich die 18 km Richtung Luzern. Leider doch nicht nur runter. Merke: Denk in der Schweiz NIEMALS das wäre die letzte Steigung. Genau dann kommt die nächste. Merksatz zwei: was du suchst ist immer in einer anderen Tasche...In Luzern wurde ich geschockt, dass die Fähre nach Fluelen, die mein (hoffentlich) einziges motorisiertes Hilfsmittel auf den ca. 1500 km sein wird, 2 3/4 Stunden braucht und ich damit erst um 15 Uhr die anstehenden 1000 Höhenmeter anfangen kann zu bezwingen die mich an den Fuße des Gotthardpass bringen. (Was für ein Satz, sorry) Unten gibts das Höhenprofil der Strecke zu sehen. Während der Fahrt zeigte sich auch mal kurz die Sonne, allerdings war es noch zu diesig um gute Fotos machen zu können. Vom Schiff abgestiegen fand ich mich zwischen schneebedeckten Gipfeln wieder. Wahnsinn dieser Anblick, wenn man mit dem Bike dazwischen steht. Dann mal los dacht ich mir, schauen wir mal wie weit ich komme. Anfangs ging es gemäßigt bergauf, doch schon bald wurde das Tal enger. Und damit wurde es steiler. Nachdem ich die 700 m Höhenlinie überquerte dachte ich, auf zur 800. Und zur 900. Und immer weiter. Ich habe geschrien, vor Schmerzen und vor Adrenalin. Seit heute weiß ich, dass nichts im Leben unmöglich ist. Denn um 6 Uhr auf 1100 m in Göschenen angekommen habe ich gesagt,  jetzt pack ich auch noch irgendwie Andermatt. Und das habe ich. Die letzten 300 Höhenmeter gingen auf 4 km in brutalen Serpentinen herauf. Geholfen hat, dass ea natürlich immer kälter wurde. Angekommen bin ich bei knapp 15 Grad, und gerade zieht ein Gewitter auf. Es schüttet... Und auf dem Pass soll wohl auch Schnee liegen. Ich fasse es selbst noch nicht ganz, dass ich hier auf 1450 Metern campe, und gerade in einem Pub ein Bier und eine Pizza esse. Ich habe den morgigen Gotthardpass-Anstieg auf 700 Höhenmeter gekappt und das ist gut. Morgen wird der Tag der drei Höhepunkte. Erstens das ankommen auf dem Gotthardpass und damit der höchsten Stelle meiner Tour mit ca 2150 m.ü.N.N. Zweitens das Erreichen der italienischen Sprache, die dort beginnt. Drittens die italienische Grenze, zu der ich dann noch 80 - 100 km fahren muss. Und dann wird am Lago Maggiore von den Strapazen ein Tag erholt. Leute...ich danke EUCH für euer pushen. Vielen Dank geht an Eric Clapton, Seeed, Nelly, Ludacris Hieronymus Caspar Rönneper und letztlich an AKG, ohne die ich das heute auch nicht geschafft hätte. Nachfolgend einige Bilder, ich habe etliche gemacht. 

Dienstag, 16. Juli 2013

Lörrach - Sempach: Knallhart und am Fuße der Hochalpen ankommen!

Strecke: 110 km Fahrtzeit: 5:45
Boah war das heute hart. Um 8 Uhr aufs Fahrrad gesetzt, um 19 Uhr angekommen. In der Jugendherberge konnte ich mir zwischen kreischenden Kindern einer Klassenfahrt noch ein schönes Frühstück genehmigen. Los ging es dann über den Rhein, wodurch ich die schweizer Grenze überquerte und welchen ich nun lange Zeit nicht mehr wiedersehen werde. Von Basel aus ging es Richtung Juraanstieg ein Tal herauf, welches sich immer mehr "alpin" präsentierte. Basel liegt auf ca 250 m, das Tal endete ca auf 400 m. Dann kam die wahrscheinlich heftigste sportliche Aktivität die ich je gemacht habe. Auf 810 m ging es immer weiter rauf, in unglaublich steilen Passagen. Erster Gang, schieben, wieder drauf und fahren, das im 50 m Takt. Ich habe alle 5 Minuten ca 1 Liter Wasser verschwitzt, mich hätte es nicht gewundert wenn hinter mir eine Wasserspur gewesen wäre. Ehrlich, das war der Hammer. Endlich oben angekommen ging es eine heftige Abfahrt runter, die mich an die Abfahrt am Pausentag in Freiburg erinnerte. Jedoch diesmal mit 20 kg Gepäck. Da hatte ich echt Angst um meine Bremsen. Für die Gotthard Abfahrt werde ich meine Jacke als Segel ans Fahrrad anbringen, um zusätzlichen Windwiderstand zu erzeugen. Das ist kein Witz! Naja, Im Tal auf ca 350 m genehmigte ich mir zwei Radler und eine kleine Pizza für 20 €. Die Schweizer sind einfach krank mit ihren Preisen. Danach ging es bei unheimlich erschöpfenden 32 Grad weiter, immer leicht bergauf auf letztendlich 500 m. Ich habe einfach immer weiter getreten und mich gezwungen nicht aufzuhören, was dazu geführt hat, dass ich nun nur 15 km von Luzern entfernt auf einem Campingplatz liege. Zwischendurch habe ich ein kleines Bad in einem Bach genommen, was dazu führte dass sich zu meinen bereits 100 Mückenstichen noch ein paar von Bremsen gesellten. Das geilste war der Moment, als in der Ferne die ersten schneebedeckten Gipfel der Hochalpen erschienen und mit jedem Kilometer klarer wurden. Diese Kulisse, die ich euch morgen noch besser präsentieren werden kann, ist einfach der Wahnsinn. Nebenbei muss ich noch nun mal zwei interessante Dinge erwähnen. Erstens hatte ich bisher nicht einen einzigen Platten.  Zweitens habe ich bisher jede Nacht anders gepennt: Wildcampen, Pension, Leo, Babbo, Campingplatz, Jugendherberge. Nur heute wiederholt sich der Campingplatz. Tja was soll ich sagen. Ich schlafe heute am Sempacher See, unmittelbar vor den schneebedeckten Gipfeln der Alpen und bin ziemlich fertig. Heute Nacht wirds glaub ich sehr kalt, hoffentlich hält das mein Schlafsack aus. Morgen werden erstmal chillige 15 km nach Luzern zum Vierwaldstätter See zurückgelegt, leicht bergab. Dann mit dem Schiff an den Südzipfel desselben und dann nur noch 25 km hoch auf 1000 m. Dann wird dort übernachtet um die Kür, den Gotthardpass am darauffolgenden Tag zu schaffen und die Abfahrt nach Italien zu nehmen. Dann würde ich die Schweiz doch noch in drei Tagen schaffen, was ich in Deutschland schon fast verworfen habe. Würde meinem Geldbeutel sicher gut tun. Achja. Trinke grad n Bier für 5 Euro....

Montag, 15. Juli 2013

Freiburg - Lörrach: ICH KANN DIE ALPEN SEHEN!

Strecke: 88 km Fahrtzeit: 4:35 h
Es ist soweit. Nach mittlerweile genau 616 km und exakt 32 Stunden auf meinem Fahrrad kann ich sie sehen! Ich bin gerade in der Jugendherberge in Lörrach, das Übernachten in der Schweiz ist mir zu teuer, die nächsten Tage möglicherweise viel Wildcampen??? Jedenfalls läuft die Grenze an der Jugendherberge im Wald vorbei. Das ist so ein geiles Gefühl. Aber ich habe auch Respekt vor dem, was mich die nächsten Tage erwartet. Ich weiß dass ich es schaffen werde, aber ich denke dass ich meine Grenzen oft überschreiten werden muss. Aber nun zu heute: Der Tag Pause hat gut getan. Der erste Tag an dem morgens meine Muskeln nicht mehr vom Vortag weh tun. Und das habe ich gemerkt. Bis auf das Ende der Strecke, wozu ich gleich komme, hatte ich keine Phase in der ich mich pushen musste. Zugegeben, die 30 Grad in Verbindung mit einer heftig brennenden Sonne schlauchen. Aber kein mucks von meinen Beinen. Erst hab ich mich natürlich von meinen Freunden verabschiedet. Von Freiburg ging es erstmal gemäßigt runter in südwestlicher Richtung zurück an den Rhein. Ich habe mich wieder gefreut ihn wiederzusehen, wie als ich aus Heidelberg kam. Aber siehe da: aus dem einst riesigen Strom ist ein Bach geworden?!? Schneller fließend, ohne Schiffe und wesentlich schmaler begrüßte er mich mit seinem kühlen Nass. Dann ging es weiter den Rhein entlang gen Süden. Immer mehr veränderte er sich, schaut euch die Bilder an. Ich weiß nicht wie ich es beschreiben soll, dort sind überall weiße "Steininseln", der Fluss teilt sich dazwischen auf, ist ganz flach und klar. Grandios sieht das aus. Ca. 6 km vor der Schweizer Grenze habe ich einen Campingplatz gesucht, jedoch keinen im vertretbaren Radius gefunden. Also bei der Jugendherberge anrufen. Mehrbettzimmer 22 €, Einzelzimmer 11 € aufschlag. Shit...Naja, die 16 km dort hin hatten es jedoch in sich. Diese Region, im Norden vom Hochschwarzwald, im Süden von den Alpen umgeben ist alles andere als flach. Ich habe geschrien und geflucht, so weh tat es. Erster Gang, Wiegetritt und einfach nicht aufgeben. Und irgendwann hab ich die Jugendherberge dann erreicht, wenigstens erwartet mich morgen als erstes ne schöne Abfahrt. :) An der Rezeption sagt die Frau: 22,- Mehrbett, 11,- Aufschlag für Einzelzimmer. Ich frag wie son Mehrbettzimmer denn belegt ist. Neee, das war mir zu krass, 10 schnarchende Personen um mich rum zu haben, muss ich doch morgen so ausgeschlafen sein wie nie. Außerdem habe ich mich heute enorm günstig ernährt ;) Alles klar, ich nehm das Einzelzimmer. 22,- bitte...hää??? Sach ma nix dacht ich mir. Tja, und so bin ich jetzt in einem Einzelzimmer mit vier Betten für 22,- Euro. Ich glaub ich werd jedes mal für zwei Stunden benutzen :) Morgen dann Jura-anstieg. Ich hoffe diese Blauworld-Karte und Internetflatrates funktionieren. Dann geht das bloggen wie gewohnt weiter. Eure whatsapp oder anderweitig übers Internet gesendeten Nachrichten werde ich wahrscheinlich etwas verzögert beantworten. Die Schweiz Etappen mache ich ganz spontan, wenn ich nicht mehr kann übernachte ich dort wo ich bin. Es soll ja auch noch nette Bauern geben. Und Kühe schnarchen nicht.